"Wirtschaftsordnung und Unabhängigkeit der Geldpolitik in einer erweiterten EU"

bearbeitet von Prof. Dr. Andreas Freytag, gefördert vom Otto-Wolff-Institut.

Das Projekt soll dazu beitragen, das Wissen über das Maß der Unabhängigkeit der Zentralbanken in den Beitrittskandidaten zu EU und später EWU zu erhöhen, den theoretisch durchaus plausiblen Zusammenhang zwischen Zentralbankunabhängigkeit und Geldwertstabilität empirisch zu untermauern sowie wirtschaftspolitische Optionen auf der Ordnungsebene für die Beitrittskandidaten unter den Bedingungen der EWU herauszuarbeiten. Den theoretischen Rahmen für das Projekt bildet die einschlägige Literatur zur Zeitinkonsistenz. Insgesamt sind drei Aufsätze geplant.

Im ersten Aufsatz werden die Beitrittskandidaten und weitere mittel- und osteuropäische Staaten hinsichtlich der Unabhängigkeit ihrer Notenbanken untersucht. Dabei werden verschiedene Maßzahlen zur Zentralbankunabhängigkeit herangezogen, darunter der vom Verfasser entwickelte Index der geldpolitischen Regelbindung. Die Ergebnisse werden dann mit den Werten für die EWU-Mitgliedsländer und die EZB verglichen, um daraus Schlussfolgerungen für eine erweiterte EWU ableiten zu können.

Anschließend wird der Einfluss der Unabhängigkeit der Zentralbank auf die Inflationsraten unter Berücksichtigung institutioneller Restriktionen untersucht. Diese Restriktionen beinhalten politische und fiskalische Stabilität, Offenheit der Volkswirtschaft, Arbeitsmarktflexibilität und die Stabilitätskultur. Bei der Spezifikation dieser Faktoren kann auf eine breite Literatur zurückgegriffen werden. Die Hypothese lautet, dass die Geldpolitik um so erfolgreicher ist, je mehr sie auf institutionelle Restriktionen, m.a. W. auf andere Ordnungselemente abgestimmt ist. Die Schätzung dieser Hypothese wird mittels einer Panel-Analyse durchgeführt, die mit einer Stichprobe von etwa 25-30 Ländern (OECD und reife Beitrittskandidaten) über 5 Jahrzehnte (n = 125) arbeitet.

Im dritten Aufsatz werden wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen vor allem für die Beitrittskandidaten,aber auch für die etablierten Mitglieder der EWU zu ziehen sein. Zu stärken ist das Langfristdenken in der Wirtschaftspolitik. Unter der Annahme der Interdependenz der wirtschaftspolitischen Ziele im Sinne der o.g. Hypothese gilt in der EWU, dass die völkerrechtlich festgeschriebene stabilitätsorientierte Geldpolitik der EZB eine Restriktion für andere Politikbereiche (z. B. Fiskalpolitik und Arbeitsmarktpolitik) bildet. Je flexibler die Arbeitsmärkte und je disziplinierter die Fiskalpolitik in den MOE-Staaten sind, desto besser können die Länder auf den weltwirtschaftlichen Strukturwandel und auf externe (und interne) wirtschaftliche Schocks reagieren. Im Vordergrund steht deshalb die Frage, ob und inwieweit es auch in diesen und anderen Politikfelder Sinn macht, Politikregeln zur Sicherung der Flexibilität der Märkte und Stabilität der Fiskalpolitik einzuführen und wirtschaftspolitische Entscheidungsträger von der Tagespolitik unabhängig zu machen. Zu diesem Thema gibt es eine wachsende Literatur, die zu diesem Zweck ausgewertet werden soll.